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Paul Brannigan und Ian Winwood, „Birth School Metallica Death“

Juli 25th, 2015 ·

Die Band Metallica muss man den allermeisten auf diesem Erdenrund nicht mehr vorstellen. Selbst jene, die keine Metal hören, kennen in der Regel den Song „Enter Sandman“. Hinter der Band stehen die beiden gegensätzlichen Alphatiere und Bandgründer James Hetfield (Gesang, Gitarre) und Lars Ulrich (Schlagzeug). Ohne einander wäre der weltweite Erfolg sehr wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Eine bewegte und durchaus auch bewegende Geschichte steckt hinter dieser Band. Nach den ersten sichtbaren Erfolgen riss der Tod ihres Bassisten Cliff Burton Metallica schwer nach hinten, musikalisch wie persönlich. Erfolge und Weiterentwicklungen, Animositäten und Grabenkämpfe prägen die über 30 Jahre währende Historie von Metallica.

Die Musikjournalisten Brannigan und Winwood haben versucht, die Band von ihren Anfängen bis in die Gegenwart hinein zu beschreiben. Ergänzt wird das Opus Magnum mit Fotografien aus den Jahrzehnten ihrer Geschichte. Der Beginn ist vielversprechend und mitreißend. Tempo und Qualität halten die Autoren allerdings nicht durch. Zunächst gelingen fesselnd die Schilderung der sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten Hetfields und Ulrichs. Sehr gut liest sich außerdem der in diesen Kontext gesetzte Wunsch der beiden nach musikalischem Erfolg. Unterhaltsam zu lesen ist der Weg dorthin, bei dem so mancher Begleiter und Förderer nur ein Intermezzo war, um später auf der Strecke zu bleiben. Und Strecke machte die Band viele Hundert Meilen, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

In der zweiten Hälfte – ursprünglich erschien das Buch in zwei Teilen – wiederholen sich Infos. Die allzu detaillierten Kritiken der Songs, die detaillierten Hintergründe eben dieser und vor allem die Einschätzung dessen, was – andere – Fans von den Songs halten nerven auf die Dauer. Dafür kommen die persönlichen Beziehungen der Bandmitglieder zueinander recht kurz, allzumal das durch ihren explosiven Charakter höchstinteressante Verhältnis zwischen Hetfield und Ulrich. Extrem euphorisch am Anfang, extrem kritisch zum Ende hin bringen die Musikjournalisten die beiden Hälften ihrer Biografie in keinen rechten Einklang.

Auch kristallisiert sich deutlich die Abneigung der Autoren gegenüber Ulrich heraus. Wie anders lässt sich erklären, dass sie immer wieder, mehr oder minder anekdotisch verschleiert, die Geschichte erzählen, dass er während der Gründung von Metallica weder den Takt halten, noch Ahnung vom Spielen des Instrumentes hatte? Oder die angebliche Kritik vieler Fans auch in späteren Jahren, Ulrich beherrsche sein Schlagzeug weiterhin nicht? Das gibt dem Buch nach einer Weile ein deutliches Geschmäckle und verdirbt leider das gesamte literarische Gericht frei nach dem Motto „Die etwas können, tun es. Die es nicht können, schreiben darüber“. Insgesamt verschafft das Buch eine Übersicht in die Geschichte einer der bekanntesten Metal-Bands, die das Genre gehörig durcheinander wirbelten. Bei großem Interesse schadet es nicht, hinterher weitere Biografien über Metallica zu lesen.

3 von 5 Punkten

Tags: Sachbücher · Biografien