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Natasha Solomons „Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand“

Mai 27th, 2013 ·

In den 1940er Jahren flieht das jüdische Ehepaar Jakob und Sarah Rosenblum vor den Nazihäschern aus Berlin nach London. Die Einbürgerung hat zwar ihre Tücken, aber Jakob lässt sich davon nicht unterkriegen. Sein Ziel: Er will Engländer werden – ganz und gar.15 Jahre später hat sich Jakob zu Jack gewandelt und zum erfolgreichen Teppichfabrikant gemausert. Auf seine allgegenwärtige Liste zur „Englischwerdung“ steht als letzter Punkt die Mitgliedschaft in einem Golfclub. Aber kein Club will den „German Kraut“ aufnehmen. Kurz entschlossen kauft er im beschaulichen Dorset ein Cottage mit riesigem Anwesen. Jack trotzt der Natur, architektonischer Unkenntnis und der stoffeligen Nachbarschaft, bis diese, beeindruckt von der Beharrlichkeit des Fremden, zaghaft Kontakt zu dem merkwürdigen Neuling knüpft.

Das Ehepaar Rosenblum gleicht zwei Seiten einer Medaille: Während Jacks Versuche mit der englischen Identität zu verschmelzen fast rührende Züge annimmt, lebt Sarah die tragische Seite des Fremdseins in einem anderen Land. Beide kämpfen auf ihre Art mit inneren Dämonen und äußeren Widrigkeiten. Dabei haben Jack und Sarah den gleichen Wunsch: ein ganz kleines Stück Glück ihr eigen nennen zu dürfen.

Das Buch ist ein erstaunliches Debüt für eine Autorin von Ende Zwanzig, geht es doch insbesondere um das Erinnern und Vergessen, das Anpassen und Aufbegehren, den Schmerz und die Hoffnung. Mit schelmischem Witz, ohne Sentimentalität lässt Solomons ihre Protagonisten verschiedene Varianten von Lebensarten durchspielen. Die ruhige Erzählweise passt zu den im besten Sinne unspektakulären Figuren und ist purer Genuss. Noch dazu besticht das Buch durch einen wunderschön gestalteten Einband. Einziger Minuspunkt ist die Häufung der Rechtschreibfehler am Ende des Buches – ich hätte mir hier ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht.

4 von 5 Punkten

Tags: Belletristik · Humor