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Jakob Hein „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“

Oktober 17th, 2013 ·

„Irgendwann würde es ihm gelingen, hinter das Geheimnis der Frauen zu kommen. Er durfte nur nicht aufgeben …“ So jedenfalls Saschas fester Vorsatz. Und der Ostberliner Jungmann gibt nicht auf. Bis er tatsächlich hinter das Geheimnis der Frauen kommt, vergeht viel Herzschmerz für den Protagonisten – sehr zur Freude des Lesers. Jakob Hein („Herr Jensen steigt aus“) schreibt in einem unglaublich leichten, unglaublich amüsanten Plauderton über das Aufwachsen in den 1970er und 80er Jahren der DDR.

Neben den pubertären Liebesirrungen und -wirrungen geht es um Jugendmode (und warum sich in der DDR eher Strömungen wie Gruftis, Rocker, Mods eigneten als die westliche Pop-Welle), die richtige Musikauswahl (und die schwierige Beschaffung von Platten durch die nach West-Berlin reisenden Großeltern) sowie Freundschaften unter Jungs (und ihre Enttäuschung, wenn ein Mädchen ins Spiel kommt). Allerdings sind es gerade die vielen Liebespleiten seines Alter Egos Sascha, die Hein überaus kurzweilig beschreibt.

Eloquent, witzig, gewürzt mit einer Prise bitteren Süße, erzählt der Autor über die Schwierigkeiten und den anarchistischen Spaß des Erwachsenwerdens. Situationen, die wohl die meisten Leser selbst erfahren haben dürften. Unabhängig davon, ob sie nun im Osten oder Westen der Republik aufgewachsen sind.

4 von 5 Punkten

Tags: Belletristik · Humor