Der Literaturagent Peter Katz erhält eines Tages ein Manuskript. Es soll die Hintergründe über den vor 20 Jahren begangenen Mord an Psychologie-Professor Joseph Wieder enthalten. Im Moment der Offenbarung zum möglichen Tathergang bricht der Text ab. Katz, angespornt durch die Idee, eine Sensation veröffentlichen zu können, beauftragt den Journalisten John Keller Verfasser und Manuskript ausfindig zu machen. Doch der Verfasser ist verstorben, die Frage nach dem Mörder weiterhin offen. Welche Rolle spielte außerdem die geheimnisvolle Geliebte des Verfassers? Sie war eine der begabtesten Studentinnen des Ermordeten …
Was wie ein Krimi anmutet, ist es nicht. Oder nur zum Teil, denn das Thema in diesem hoch spannenden Roman ist nicht die Frage Whodunit, sondern was ist Wahrheit? Was ist Einbildung? Wo beginnen sich Erinnerungen zu Lügen zu entwickeln? Und: Können Wahrheit, Einbildung und Lügen immer unzweideutig voneinander getrennt werden? Chirovici treibt ein raffiniertes Spiel mit den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten in der Vergangenheit und derjenigen, die in der Gegenwart versuchen zu entschlüsseln, wie es zu dem Mord kam. Wenn es eine Antwort auf die vielen Fragen gibt, dann vielleicht diese: Unterschätze nie die Macht der Projektionen.
Chirovici schreibt angenehm klar. Ein Vorteil für eine Geschichte, die in ihrer Vielschichtigkeit die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers für den Inhalt erfordert. Auch wenn sie nicht den Schwerpunkt des Roman ausmacht, gerät am Ende die Erklärung der eigentlichen Tat ein wenig zu lapidar, ja, zu „kramig“ – der Lesende muss sich die Versatzstücke wer mit wem und warum selbst zusammenkramen. Das nimmt der Geschichte den Wind aus den Segeln und die eigentlichen Themen treten zum Schluss in den Hintergrund.
4 von 5 Punkten