Poetry Slam ist inzwischen eine feste Kunst in der Literaturszene geworden. Die Qualität der Poetry Slammer und ihrer Werke ist naturgemäß sehr unterschiedlich und reicht von „Ach nee, bitte nicht“ bis „Sensationell! Gibt’s den Text auch zum Nachlesen?“ Vier Literaten, alle als Slammer gestartet, treten gemeinsam als „Die Lesedüne“ auf. Sie sind der Kategorie „Oh prima! Die Texte will ich in einem Buch!“ zuzuordnen. Genau das haben sie getan. Sie haben ihre hervorragenden Texte in einem Band zusammengetragen und zwar schon zum zweiten Mal. Der bekannteste von ihnen dürfte Marc-Uwe Kling mit seinen Känguru-Chroniken sein. Die Qualität seiner Mitstreiter – Julius Fischer, Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky – ist genauso hoch.
Die Texte changieren zwischen extrem lustig und Mitten aus dem Leben gegriffen (Julius Fischer „Ich hasse Menschen – heute: Umzug“), abgedrehten Fiktionen (Maik Martschinkowsky „Zerberus-Welpen“), heiterer Städtephilosophie (Sebastian Lehmann „Hamburg“) und poetischen Textperlen (Maik Martschinkowsky „Unterm Kardamond“). Und natürlich, natürlich ist auch das kommunistische Känguru von Kleinkünstler Kling dabei. Textlich zumindest. Die Autoren beherrschen in vortrefflicher Weise das Spiel mit Ironie, Melancholie und Rhythmik.
Trotz der sehr unterschiedlichen Inhalte ergibt sich ein geschmeidiges Ganzes, allen voran durch Fischers „Tagebucheinträge“ über die gemeinsame Tour , der als roter Faden die Geschichten zusammenhält. Am Ende regnet es, entsprechend des Buchtitels und der real-sozialistischen Ästhetik des Buchdeckels, Arbeitszeugnisse für die Autoren. Auch diese in ihrer Treffsicherheit, herrlich zu lesen. Das wohldurchdachte Buch kann in einem Rutsch gelesen, es kann aber auch häppchenweise genossen werden.
4 von 5 Punkten